Am 18. Januar war es soweit. Unser Abenteuer Chile konnte beginnen. Mit Rad- und Schlafsack beladen, machten wir uns auf den Weg, der kein leichter werden würde. In Frankfurt ging unsere Reise los und sollte endlose 41 Stunden dauern, bis wir unser Ziel Panguipulli erreicht hatten. Schon im Flugzeug wurden wir mit einem atemberaubenden Blick auf die Anden belohnt und die Vorfreude auf das Rennen, welches wir alle bis dato noch nicht kannten, wuchs immer mehr. Müde aber glücklich endlich angekommen zu sein, genossen und nutzten wir die zwei Tage vor Beginn des Rennens, uns zu akklimatisieren und um zu trainieren.
In Panguipulli unserem ersten Stopp, hatte man teilweise das Gefühl, die Zeit wäre stehen geblieben. Holzhäuser, einfache Straßen, viele herrenlose Hunde, (aber keine Angst, die tun wirklich nix) sowie nette, einfache aber sehr hilfsbereite Menschen, nahmen uns in Empfang. Ein wildes, weites und einsames Land mit riesigen Bäumen, sollte in den nächsten beiden Wochen unsere Heimat sein. 6 Etappen standen uns bevor, vorbei an 7 Vulkanen, die teilweise auch noch aktiv waren und durch ihre Rauchwolken und ihre bizarre Schönheit auf sich aufmerksam machten. Insgesamt 412 km und 12.851 Höhenmeter lagen vor uns und wir waren alle gespannt. Unsere kleine deutsche Gruppe bestand aus Carsten Bresser, Stephan Sahm, dessen Vater, dem Biathleten Christoph Stephan, Klaus Rübensaal, Andreas Wittmann und mir. Während Stephan und Christoph in der Einzelwertung gemeldet waren, fuhren Carsten und ich, wie gewohnt im Team in der Altersklasse 80+. Klaus und Andreas waren ebenfalls als Team unterwegs.
Die erste Etappe führte uns auf schwierigen Trails, durch dichten Wald mit riesigen Bäumen, nach Huilo Huilo. Doch die Strapazen des Rennens sollten sich lohnen, denn das Hotel in dem wir übernachteten war einzigartig. Das Baumhaushotel „Baobab", war mitten im Wald, bzw. um den Wald herum gebaut. Zwei Tage genossen wir diesen Luxus, denn dann mussten wir unsere weichen Bettchen, gegen Isomatte und Schlafsack eintauschen. Nun sollte das Abenteuer so richtig beginnen, drei Nächte im „Einzelzelt", plus Verpflegung im großen Essenzelt. So sahen die kommenden Tage nun aus und unsere kleine Zeltstadt reiste von nun an, wie ein Wanderzirkus mit uns mit. Die Körperpflege wurde etwas reduziert, aufs Rasieren wurde ganz verzichtet und der Wald diente auch mal als Klo. Willkommen in der Wildnis, ein Leben wie es sich jeder Mann (mal) wünscht, Abenteuer pur eben!
Die Etappen waren sehr abwechslungsreich und auch anspruchsvoll. Mal ging es durch einen Fluss, mal über eine Hängebrücke und oft mussten wir unser Bikes auch gut eine halbe Stunde den Berg hochschieben, weil das Terrain nicht befahrbar war. So weit oben, konnten auch die Bauern ihr Holz nur noch traditionell wie früher mit Ochsen rücken und bewegen. Kein Fahrzeug konnte da fahren, in diesem Dickicht. Und auch die Hitze von bis zu 48 Grad in der Sonne, machte das Rennen nicht gerade angenehmer. In der Zeltstadt angekommen, waren wir über jedes schattige Plätzchen hocherfreut. Zum Glück, kühlte es abends jedoch immer wieder ab, sodass die Nacht im Zelt erträglich war. Vom ersten Tag an, übernahmen Carsten und ich die Führung in der Masterwertung und am zweitletzten Tag auch die Gesamtführung aller Teams. Und auch im Einzelrennen war der Sieg fest in deutscher Hand. Stephan Sahm zeigte nach der ersten Etappe schon, dass er einer der Favoriten auf den Gesamtsieg war und wurde als Sieger dieser Rolle schließlich auch gerecht. Die letzte Nacht verbrachten wir in der Outdoorcity Pucon, ehe wir wieder unsere lange Abreise in Angriff nahmen.
Es war eine schöne Erfahrung und ein tolles Erlebnis für uns alle.Wir haben viele Leute kennengelernt und hatten eine Menge Spaß. Am 1. Februar waren wir wieder zuhause im kalten Deutschland und das Abendteuer Chile war vorbei.